Irgendwie zum Verwechseln ähnlich, oder?

Geht es dir nicht auch so. Du sitzt im Zug, auf einer Bank oder du liegst in der Sonne oder gehst oder stehst und da siehst du plötzlich jemanden, den du kennst. Zumindest glaubst du ihn zu kennen, denn du hast in zwar schon Ewigkeiten nicht mehr gesehen, aber du warst ihm einmal nahe. Nicht nur ein paar Tage oder Wochen sondern lange. Da ist diese Person nun und ist es doch nicht. Sie hat nur ähnliche Gesichtszüge oder Haare oder eine ähnlich grosse oder kleine oder dicke oder dünne Figur.
Du bist verwirrt und kannst den Blick nicht von ihr lösen. Irgendwie bist du froh, dass es nicht die vermutete Person ist. Irgendwie findest du es aber auch schade. Was macht wohl das Original gerade und warum gaukelt dir dein Gehirn vor, dieser Unbekannte oder diese Unbekannte sei dir bekannt, klingt doch die Stimme ganz anders und der Dialekt stimmt auch nicht. Du wünschst dir, noch einmal etwas aus dem Mund der einst bekannten Person zu hören, einfach weil du vergessen hast wie sie spricht, obwohl ihr doch einmal so viele Worte gewechselt habt.
Es ist erstaunlich, aber sie verschwindet immer mehr. An ihre Stelle treten Menschen, die ihr irgendwie ähnlich sind. Die Neuen werden dich an die alten Freundschaften erinnern und treiben dir fast Wehmutstränen in die Augen. Und doch, du bist froh, dass dieser neue Freund oder diese neue Freundin sich irgendwann so sehr mit ihrer Einzigartigkeit abhebt, dass sie niemandem mehr zum Verwechseln ähnlich ist.