Ella, der Regen und die Hoffnung

Er ist Künstler: ein Überlebenskünstler ohne Frau mit einem Lebenswerk bestehend aus einem Masterabschluss, danach lange nichts Bemerkenswertes. Nein, er ist kein Muttersöhnchen mehr, aber er glaubt an das Schicksal. Ein Platzregen prallt auf ihn herab. Durchnässt öffnet er die Tür zum Café.
Sie ist eine Göttin des Glücks, war sie jedoch nicht immer. Als Kind wurde sie von den anderen gehänselt, war das hässliche Entlein. Mit dem Schirm in der Hand geht sie durch die Strassen der Stadt. Noch sieben Minuten. Sie wird pünktlich sein.
Er hat sich gesetzt, sie kommt herein. Sie blickt sich um, schaut kurz aufs Handy und stellt es aus. Dann setzt sie sich zu dem Typen, der sie Jahre auf dem Kieker hatte.
Gestern verliess er dasselbe Café – und knallte in sie hinein, in Ella, die zu einem weissen Schwan geworden war. Sie erkannte ihn und gab ihm dennoch ihre Nummer. Nur er, er merkte nicht, mit wem er den ganzen Abend schrieb. Erst als sie ihm ein altes Foto schickte, wars ihm klar. Sofort entschuldigte er sich für sein früheres Verhalten.
Nun, als sie sich gegenüber von ihm an den Tisch setzt, entschuldigt er sich noch einmal, von Angesicht zu Angesicht. Ella lächelt. Sie sprechen kurz über diese weit entfernte Zeit, dann lange über das, was später passiert ist. Darf ich dich noch einmal sehen?, fragt er nach dem Gespräch. Klar, gerne, antwortete sie. In seinen Gedanken malt er sich schon die Hochzeit und die Kinder mit ihr aus. Wer weiss, vielleicht hat er eine Chance, denn er ist nicht mehr derselbe wie dazumal.